Jahresrückblick 2025: Mehr als ein Abenteuer

Sabrina schaut auf eine wilde Küste. Wellen schlagen schäumend ans felsige, von Bäumen bewachsene Ufer

Es gibt nichts zu tun an diesem 1. Januar 2026. Nichts außer den dampfenden Tee in der Hand halten und aus dem Fenster schauen. Bis eben war ich nicht sicher, ob ich überhaupt einen Jahresrückblick 2025 schreiben werde.

Zwischen den Jahren eilten die Tage nur so dahin. Da war kein Raum für Rückblicke. Da war Raum für Familie, für Kino, für Renovierungspläne, für Party. Für alles, was sprüht und vor Leben und Energie nur so strotzt. Wie finden andere Menschen in diesen Tagen Zeit für Jahresrückblicke, fragte ich mich und spürte diesen leisen Druck.

Heute, da es nichts mehr zu tun gibt, die Party gefeiert, der Film gesehen ist und jeder Mensch meiner Familie sich wieder ins eigene Nest zurückgezogen hat, heute erst entsteht diese Stille, dieser Raum der Möglichkeiten. In diesem Raum der Möglichkeiten, mit Tee und Blick aus dem Fenster, kommt er von ganz allein zu mir: Der Rückblick auf das vergangene Jahr. Der Rückblick auf ein Jahr, das für mich vor allem eins war: Ein Jahr voller Abenteuer.

Diese Themen haben mich 2025 bewegt

Abenteuer erste Male

Ich liebe meine Komfortzone und bereite Ausflüge ins Abenteuer gut vor. Die Aufforderung, mal spontan zu sein, mich mal was zu trauen, mal etwas Neues auszuprobieren, hat mich jahrelang in unglaublichen Stress versetzt. Was andere Leute ohne mit der Wimper zu zucken machen würden, kostete mich eine Woche Vorbereitung. Was anderen Leuten scheinbar ganz leicht fällt, erforderte bei mir viel gutes Zureden und Geduld von anderen. Oder ich habe es einfach nicht gemacht.

Im vergangenen Jahr jedoch war das ganz anders. Ich habe sehr viele Dinge zum ersten Mal gemacht, einige davon spontan oder ohne lange darüber nachzudenken. Manches hat mich reichlich Mut, Überwindung oder Anstrengung gekostet. Lampenfieber? Das war oft mein zweiter Vorname. Andere erste Male haben sich ergeben oder wollten einfach gestartet werden und haben dann pure Freude bereitet, waren inspirierend oder atemberaubend schön. Ich habe vieles gewagt und unternommen:

  • Ich habe bei einer Hochzeit auf der Bühne gestanden und ein Kennenlernspiel für 160 Gäste angeleitet.
  • Ich habe meinen ersten Beitrag auf Instagram veröffentlicht.
  • Ich habe mein erstes Reel gemacht.
  • Ich habe an der Jahrestagung des Bundesnetzwerks Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik teilgenommen.
  • Ich habe viele, mir zunächst fremde Menschen, einfach angesprochen.
  • Zum ersten Mal hat ein Hund eine Fortbildung mit mir besucht.
  • Ich bin übers Wochenende mit meiner Mama verreist und wir haben ihren Geburtsort besucht.
  • Ich habe an einer Tomatenverkostung teilgenommen.
  • Ich habe unter der Anleitung von Dietlind Glaesmer meine Stimme erprobt und getönt.
  • Ich habe mich zum Businesslunch verabredet.
  • Ich habe beim Kiez-Kita-Treffen teilgenommen und zwei Workshops zur Kollegialen Beratung durchgeführt.
  • Ich habe ein Konfliktseminar für Menschen, die in der Schule arbeiten, unter anderem Lehrer*innen, aus der Taufe gehoben.
  • Ich habe vier Wochen am Stück Urlaub genommen und in dieser Zeit keinerlei Mails gelesen.
  • Ich habe diesen Urlaub auf der Südhalbkugel verbracht.
  • Ich habe in einem Fünf-Sterne-Hotel und in einem Glamping-Resort gewohnt.
  • Ich war Beifahrerin im Linksverkehr.
  • Ich war schnorcheln und ich bin von einem Katamaran aus ins Meer gesprungen.
  • Ich war in einer Moschee und in einem Hindutempel.
  • Ich habe Seeigel und Jakobsmuscheln gegessen.
  • Ich habe den Namen Sir Seewoosagur Ramgoolam fehlerfrei ausgesprochen.
  • Ich habe eine Pottwalfamilie und eine Delfinschule im offenen Meer beobachten dürfen.
  • Ich habe den Eiffelturm gesehen. Vom Flugzeug aus.
  • Ich habe einen Sonnenaufgang über den schneebedeckten Alpen gesehen. Auch vom Flugzeug aus.
  • Ich war auf der Schönen Silvesterparty tanzen.

Manche dieser ersten Male werden einzige Male bleiben. Andere werde ich ganz sicher wiederholen. Alle dieser ersten Male haben in mir große Lust geweckt, auch 2026 meine Komfortzone immer mal wieder zu verlassen und Neues zu entdecken. Aller Anstrengung und allem Lampenfieber zum Trotz. Wenn ich das so lese, fühle ich Glück und Stolz und Dankbarkeit. Und ich staune über mich und darüber, wie ich gewachsen bin, wie ich mich entwickelt habe.

Abenteuer: Reisen

Das größte Abenteuer des vergangenen Jahres war die Reise, die mein Mann und ich anlässlich unseres 25. Ehejubiläums unternommen haben. (Wir sagen ungern Silberhochzeit. Das klingt, als wären wir ältere Leute. Wir sind aber jung und dynamisch. Versteht sich.) Diese Reise war eigentlich eine ganze Sammlung an Abenteuern, ein Abenteuer der Extraklasse sozusagen.

Das Abenteuer begann schon im Jahr zuvor mit der Frage, ob ich überhaupt eine Fernreise würde machen dürfen. Viele Stunden nahezu bewegungslos in einem Flugzeug zu sitzen, wäre ein Risikofaktor für eine Thrombose. Dank einer sehr zugewandten Begleitung durch meine Ärztin war diese Frage schnell beantwortet und ich wusste genau, wie ich den Flug gut bewältige. Die nächste Frage war, ob und wie wir beide es einrichten können, unsere berufliche Tätigkeit für vier Wochen ruhen zu lassen. Wir sind beide selbständig und arbeiten ohne Angestellte, die eine Urlaubsvertretung übernehmen könnten. Auch dafür fanden wir Lösungen. Eine nicht unwichtige Frage war für uns, ob wir unseren 16-jährigen Sohn über einen so langen Zeitraum würden allein lassen können. Eben jener ahnte eine grenzenlose Freiheit und unterstützte unsere Reisepläne. Wir freuten uns über diese Zuversicht und dachten dankbar an unser familiäres Unterstützungssystem, an Freunde, an ein paar Videotelefonate und die Tatsache, dass der Schulbesuch eine gewisse Ordnung im Leben des Teenagers aufrechterhalten würde.

Welches soll das Ziel dieser ersten Fernreise seit 25 Jahren sein? Das war unsere nächste Frage. Es gab zunächst nur ein Kriterium: Wir wollen Wale sehen. Die hatten wir auf unserer Hochzeitsreise nämlich verpasst. Es war die falsche Jahreszeit. Unsere Ideen gingen dann in Richtung Kanada: Wale, Indian Summer, meine Augen leuchteten. Das ließe sich dann vielleicht mit New York verbinden, unsere Abenteuerlust ging mit uns durch. Nach einem Besuch im Reisebüro unseres Vertrauens und einigen Wochen Bedenkzeit entschieden wir uns letztlich für ein Ziel, das auch etwas Sommer, Sonne und Strand versprach: Mauritius. Das war die beste aller Entscheidungen.

Was wir in diesem Urlaub alles hatten, kann diese Aufzählung vielleicht ansatzweise vermitteln:

  • Badeurlaub und Städtereise
  • Wandern in den Bergen und am Strand
  • Schwimmen im Meer und im Pool, tags und nachts
  • Affen und Flughunde, Riesenschildkröten und Geckos, Pottwale und Delfine
  • Bananenstauden, Farne und Palmen aller Art
  • Geschichte von Kolonialisierung und Sklaverei
  • Geschichten über Anbau und Nutzung von Zuckerrohr und Tee
  • Rum- und Teeverkostungen
  • Marktbesuche und Einkaufszentren
  • Fahrten mit dem Schnellboot und dem Katamaran, auch auf hoher See
  • Schnorcheln und Eintauchen in den Lebensraum von Seeigeln, Krabben, Korallen und allen Arten von Fischen
  • Aufstehen in aller Frühe für ein paar Unternehmungen und den Sonnenaufgang
  • Schlafen bis in den Vormittag hinein und ausgiebiges Testen diverser Strandliegen, Hängematten oder Sitzsäcke
  • Gegensätze erleben: Armut in Städten und Dörfern und Reichtum in Villenvierteln und Urlaubsressorts
  • Vielfalt des religiösen Lebens: Kirchen, Tempel und Moscheen
  • Fünf-Sterne-Küche und Streetfood
  • Linksverkehr mit zwei Beinah-Unfällen
  • Kontrolle durch die Polizei, ich hätte mich dabei fast vergessen
  • Billardspielen und Cocktails kosten
  • Massagen, Spa und tiefe Entspannung

Wir genießen es sehr, uns an diese Reise zu erinnern. Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses Abenteuer miteinander erleben durften. Und mir ist völlig klar, dass es ein Privileg ist.

Abenteuer: Fremde Umgebungen

Schon lange weiß ich über mich, dass ich für das Ankommen in neuen Umgebungen etwas Zeit brauche. Auch deshalb erscheine ich zu Fortbildungen mindestens eine Stunde vor Beginn, sodass ich mich mit Räumen und Atmosphäre vertraut machen und etwaige Irritationen liebevoll zur Kenntnis nehmen kann. Idealerweise habe ich dann noch ein paar Minuten für regulierende Übungen oder, falls das nicht geht, starte die Fortbildung zusätzlich zum bewährten Kennenlernen auf jeden Fall mit einem Check-In und einer kleinen Atemübung, sodass nicht nur ich selbst, sondern auch die Teilnehmenden einen guten Start haben und wir miteinander warm werden können.

Auch im Urlaub brauche ich immer eine kleine Eingewöhnungszeit. Meine Familie kann davon ein Lied singen: Oft genug bin ich in den ersten Urlaubstagen immer etwas unleidlich. In diesem Jahr sind mein Mann und ich zum ersten Mal seit 25 Jahren zu einem Urlaub zu zweit aufgebrochen. Durch diese Reise ist meine Selbsterfahrung über das Ankommen in fremden Umgebungen noch einmal aufgefrischt und gewissermaßen auf ein neues Level gehoben worden. Das sah ungefähr so aus:

Rund um die Anreise verlief alles ganz wunderbar. Bus pünktlich, Flieger pünktlich, entspannter Zwischenaufenthalt am Pariser Flughafen. Unser Langstreckennachtflug startete mit der freudigen Überraschung, dass wir drei Plätze für uns zwei haben. Ruhiger Flug, sichere Ankunft auf Mauritius, sogar unsere Koffer waren da. Das Schwierigste ist überstanden, dachte ich, jetzt kann der Urlaub losgehen. Mein Inneres wusste nur irgendwie nichts davon. Obwohl alle Rahmenbedingungen passten, war ich noch nicht im Urlaubsmodus. Wir wurden vom Flughafen bis ins Hotel gefahren – der Linksverkehr und die Fahrweise machten mir Angst. Die Begrüßung im Hotel war herzlich und freundlich – und der Wechsel in eine fremde Sprache war anstrengend. Die Umgebung war wunderschön – und fremde Gerüche sorgten bei mir für Irritation. Das Frühstücksbuffet war erstklassig – und doch waren mir die Abläufe nicht vertraut. Das Bett war das bequemste von allen – aber es war nicht MEIN Bett. Der Zimmerservice war äußerst aufmerksam – und ich hatte mehrfach keine Ahnung, was man uns gerade anbieten wollte. Dass wir nach 24 Reisestunden auch einfach müde waren und gleichzeitig unter Bewegungsmangel litten, tat sein Übriges.

Es brauchte das Kennenlernen von Umgebung und Abläufen und es brauchte mehrere Sonnenuntergänge, einige Strandwanderungen, erstes Schnorcheln und die Möglichkeit, mich auch einmal SELBST zu bedienen, bis ich im Urlaubsmodus wirklich angekommen bin und bereit war, fremdes Essen zu probieren oder Land und Leute jenseits der schicken Hotelanlage zu erforschen. Meine Seele hatte erstmal meinem Körper hinterherkommen müssen.

Die sprachliche Verständigung blieb eine Herausforderung. Für diese Reise hatte ich über ein Jahr lang sehr fleißig mein Schulwissen in Französisch aufgefrischt und erweitert. Ich konnte Essen bestellen, nach dem Weg fragen, über eine Autopanne berichten, jemanden bitten, langsamer zu sprechen. Ich war in der Lage, verschiedene Texte zu lesen und zu verstehen. Aber ich konnte diese Kenntnisse im fremden Umfeld oft nicht anwenden. Gesprochenes Französisch zu verstehen, wenn man das Gesprächsthema gerade nicht kennt oder vielleicht ein Hindi-Akzent im Spiel ist, war eine große Hürde für mich. Das hat mich sehr überrascht und ich war zunächst enttäuscht. Wir haben die sprachliche Herausforderung dann zu zweit mit technischer Hilfe und einer abenteuerlichen Mischung aus Englisch, Französisch, Mimik und Gestik gelöst. Manchmal begegneten uns sogar ein paar Brocken Deutsch – „How do you say in German? Wunderbar?“ – und das war immer sympathisch und herzöffnend. Wie leicht, spontan und echt es sich aber anfühlt, wieder mit Menschen in der eigenen Sprache zu sprechen, erlebten wir beim zweiten Teil unserer Reise. Am dritten Abend im unserem Glamping-Ressort trafen auf wundersame Weise plötzlich mehrere deutsche Reisende zusammen, sodass wir einen German Table aufmachten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde redeten wir munter drauf los. Wir tauschten uns über unsere Reisegeschichten, verspätete Koffer, das abenteuerlichste Essen, Sightseeing-Empfehlungen und unsere Gedanken an die Daheimgebliebenen aus. Das tat unfassbar gut.

Mir ist durch diese Selbsterfahrung wieder einmal bewusst geworden, dass das Ankommen in einer neuen Umgebung und das Zusammenkommen mit fremden Menschen ein sehr sensibler Prozess ist. Wie bedeutsam dabei die Möglichkeit ist, Sprache in all ihren Facetten verstehen und nutzen zu können, kann ich gar nicht genug betonen. In meine Seminare kommen immer wieder Menschen, die einander fremd sind. 2025 hat mich in meinem Anliegen bestätigt, auch in Zukunft für Orientierung, Wohlbefinden und ein gutes, sicheres Ankommen und Kennenlernen zu sorgen. In mir keimen erste Ideen zur Frage, wie ich da auch fremden Sprachen mehr Raum geben kann.

Abenteuer: Berufliche Veränderungen

In Berlin ist es deutlich spürbar, die Zahl der Geburten ist stark zurückgegangen und mit ihr auch die Zahl an Kindern, die eine Kita besuchen. Das rüttelt am System: Freie und kommunale Träger und alle Menschen, die in diesem System arbeiten, spüren diese Veränderung deutlich. Ich auch.

Für viele Menschen, mich eingeschlossen, sah und sieht diese Entwicklung nach einer Chance aus: Etwas Ruhe in den Alltag bekommen, endlich die Qualität sehr genau in den Blick nehmen, auch prüfen, wer ist wirklich für die anspruchsvolle Beziehungsarbeit mit und Lernbegleitung von Kindern geeignet. Diese Perspektive ist wichtig und richtig, gleichzeitig ist es nur EINE Perspektive. Weniger Kinder bedeutet auch weniger Geld und das macht verschiedene Umstrukturierungen oder Sparmaßnahmen nötig. Für pädagogische Fachkräfte erscheinen manche dieser Maßnahmen nicht nachvollziehbar oder zielführend. Sie ärgern sich darüber. Andere fragen sich, ob sie die Kita oder den Arbeitgeber wechseln müssen oder ob gar ein Arbeitsplatzverlust zu befürchten ist. Dann gibt es auch Erzieher*innen, die innerlich schon Abschied genommen haben und diese Veränderungen als Gelegenheit begreifen, etwas Neues in Erwägung zu ziehen. Diese existenziellen Fragen sind dann auch in meinen Seminaren immer wieder mit dabei. Angst, Ärger, Traurigkeit, Unsicherheit, Trotz scheinen die Menschen vom Seminarthema abzulenken – und wollen doch gesehen werden. Deshalb wurden meine Seminare 2025 immer wieder auch zu einem Raum, in dem die Gefühle der Erwachsenen da sein durften, Würdigung erfahren haben – und dann ruhen oder gehen konnten.

Eine weitere Folge der eingeschränkten finanziellen Mittel erlebe ich auch direkt. Träger achten sehr streng auf ihre Fortbildungsbudgets. Bei mir sind für 2026 bislang weniger Seminartage gebucht worden als das vor einem Jahr für 2025 der Fall war. Eine Kooperation ruht gerade, weil gespart werden muss. Was das für mich als Lernbegleiterin bedeutet, wird sich zeigen.

Mein Fazit für das abenteuerliche Jahr 2025

Worauf bin ich 2025 stolz?

Ich habe wunderbare Feedbacks von Teilnehmenden meiner Fortbildungen erhalten. Es gelingt mir sehr oft sehr gut, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jede*r wohl und gesehen fühlt und etwas Neues lernen oder eine Erkenntnis mitnehmen kann. Besonders freue ich mich darüber, dass Menschen sagen, in meinen Seminaren wird, trotz der schwierigen Themen, viel gelacht.

Das Thema „Aggressives Verhalten verstehen und konstruktiv begleiten“ ist mein unangefochtenes Top-Thema. Im Herbst 2025 feierte ich mit Katja Hoffmann und Annette Reisinger sein 10-jähriges Jubiläum. Ich bin wirklich stolz darauf, dass ich in diesen Jahren einen umfangreichen Fundus an Seminarbausteinen und Lernimpulsen zusammenstellen und erproben konnte. Jetzt bin ich in der Lage, für jede neue Lerngruppe flexibel ein passendes Programm zusammenzustellen.

Mit dem Seminar „Konflikte im Schulalltag – Wegweiser für deeskalierende Kommunikation“ habe ich mich zum ersten Mal einer neuen Zielgruppe gestellt: Lehrer*innen. Dafür klopfe ich mir mal ordentlich auf die Schulter. Und nehme Anlauf für das nächste Mal.

Für mich war 2025 das umsatzstärkste Jahr meiner Selbständigkeit und ich hatte endlich die Möglichkeit, meine Altersvorsorge auf solide Füße zu stellen. Das macht mich stolz, ich habe dafür hart gearbeitet. Das macht mich aber auch dankbar und ein wenig demütig. Nicht jede*r hat, trotz harter Arbeit diese Möglichkeit.

Welche Lernimpulse haben 2025 richtig gut funktioniert?

Auch 2025 zeigt sich in jedem meiner Seminare: Menschen lernen unterschiedlich und haben sehr individuelle Vorlieben und Ziele für die Erweiterung ihres Wissens, ihrer Handlungsstrategien und ihrer emotionalen Kompetenzen. Rudi hört am liebsten intensiv zu, was andere von ihren Erfahrungen erzählen. Susanne profitiert am sehr von einer biografischen Selbstreflexion. Nora hat Lust auf Rollenspiele, Emre möchte einen Fachtext lesen und Robin erörtert gern Fallbeispiele. Für mich als Lernbegleiterin ist es immer wieder ein Abenteuer, die Menschen mit ihren Lernvorlieben kennenzulernen und ein Programm zusammenzustellen, das für jede*n wenigstens einen bedeutsamen und nachhaltigen Lernimpuls enthält. Nicht jede Lerneinheit passt für jede*n und immer.

Der Punkt. Das ist eine Übung, die dazu dient, die eigene Wahrnehmung zu reflektieren. Sie ist inzwischen ein Klassiker und hat meinen Teilnehmenden auch in 2025 viel Spaß und sehr unterschiedliche Aha-Momente gebracht. Wie dieser Lernimpuls abläuft, was er bewirken kann und welche Konsequenzen sich für die pädagogische Praxis ergeben, kannst du in meinem Blogartikel Was siehst du? nachlesen und direkt mitmachen.

Imitieren und Verstehen. Dieser Lernimpuls war in 2025 ein Überraschungserfolg und für mich ein besonderes Highlight, weil er in improvisiert war und auch eine andere Wirkung hatte, als von mir in diesem Moment beabsichtigt. Das kam so: Ich begleitete eine neue Lerngruppe dabei, aggressive Verhaltensweisen besser zu verstehen und einen konstruktiven Umgang damit zu entwickeln. Es war der erste von drei Tagen und es war die letzte Lerneinheit am Vormittag. Die Teilnehmenden hatten von mir den Auftrag erhalten, ein Kind zu portraitieren und in einer Kleingruppe dessen Verhaltensweisen wertfrei zu beschreiben. Eine Lernende hatte auf diese Herangehensweise keine Lust. Das Zeichnen passte für sie nicht. Wir sprachen in der Kleingruppe kurz darüber und ich machte dann folgenden Vorschlag: Tut, was das Kind tut. Stellt eine Situation nach, in der das Kind ein übergriffiges Verhalten zeigt und beschreibt das Verhalten möglichst wertfrei. Dann tauscht ihr die Rollen, sodass jede*r mal beobachtet hat. Die Kleingruppe ließ sich auf dieses Herangehen sofort und mit großer Spielfreude ein. Es dauerte nicht lange, da hörte ich einen Ausruf der Erkenntnis: „Das Verhalten des Kindes macht ja total Sinn!“. In der anschließenden Reflexionsrunde stellte sich heraus, dass die Gruppe gar nicht zum Beschreiben gekommen war. Das Imitieren des Verhaltens, das eigene Erleben der Situation allein hatte für den Erkenntnisgewinn ausgereicht: „Durch diese Übung sehe ich das Kind jetzt schon ganz anders.“. So ein Heureka-Moment VOR dem Mittagessen. Die Erinnerung daran lässt mein Herz schon wieder hüpfen.

Nervensystemswissen. Ich arbeite schon länger mit dem Wissen über das Nervensystem. 2025 habe ich ein entsprechendes Wissenshäppchen über Aufbau und Funktionsweise unseres Nervensystems fest in meine Seminare eingebaut. Das Ziel: Die Lernenden verstehen, weshalb manche Verhaltensweisen von Erwachsenen nicht die beabsichtigte Wirkung nach sich ziehen. Dieses Wissen über das Nervensystem ist für viele deshalb so wertvoll, weil die Bedeutung von Selbstregulation auf ein anderes Level gehoben wird. Durchatmen und etwas Zeit verstreichen lassen ist eben nicht nur Blabla oder eine Yoga-Methode, sondern essenziell. Einige Teilnehmende schätzen an diesem Lernimpuls auch, dass sie ihren Kolleg*innen sagen können: „Das, was du gerade tust, ist nachvollziehbar. Dein Nervensystem ist im Alarmmodus. Lass uns mal schauen, wie du wieder in einen sicheren Zustand kommst, der für das Kind hilfreich ist.“

Das hat 2025 weh getan

Wer Gruppen oder Teams begleitet, ob im Rahmen von Fortbildungen, Supervision oder auch als Führungskraft, der weiß, dass es schwierige Momente und die eine oder andere besondere Herausforderung gibt. Diese Situationen kenne ich auch und dank meiner langjährigen Erfahrung kann ich sie gut meistern. Dennoch gibt es immer wieder auch Situationen, die besonders nachklingen oder sich als schmerzhafte Lernerfahrungen einprägen. Im vergangenen Jahr erinnere ich mich da besonders an eins der mehrtägigen Seminare über aggressive Verhaltensweisen. Eine Teilnehmerin war mir dadurch aufgefallen, dass sie immer wieder und ausdauernd am Handy beschäftigt war und sich auch aus Gruppenarbeiten weitgehend raushielt. Gab es eine bedeutsame Ablenkung für sie? Hatte Sie, trotz ausgiebiger Kennenlernphase, noch keinen Anschluss gefunden? Ist das Thema an Ihren Interessen vorbei? Was ist da gerade los? Das waren Fragen, die ich mir zu stellen begann. Zunächst hakte ich nach und versuchte, ihre Stimme immer mal wieder in die Gruppe zu holen. Ich sprach sie direkt an und fragte zum Beispiel danach, was sie zum Thema XY denken würde oder für welche der angebotenen Übungen sich entscheiden möchte und auch danach, ob sie mit jemandem in Kontakt bleiben müsse. Das schien jedoch nicht der richtige Weg zu sein. Auch anderen Teilnehmenden fiel dieses Verhalten auf und ich wurde darauf angesprochen. In der Rückschau würde ich sagen, dass ich das Verhalten dann erstmal übersehen und mich auf die gesamte Gruppe konzentriert habe. Zu einem späteren Zeitpunkt bat die die Teilnehmerin um ein Vier-Augen-Gespräch. Mir war wichtig, nach ihren Beweggründen zu fragen und ihr auch mitzuteilen, wie ihr Verhalten auf mich wirkt. Meinem Eindruck nach war das ein klärendes und fruchtbares Gespräch. Das mache ich nicht nur am Verlauf fest, sondern auch daran, dass sie am dritten Tag deutlich stärker beteiligt war und ihre Erfahrungen und Kompetenzen in die Gruppe gab. In einer abschließenden Feedbackrunde gab sie einer anderen Teilnehmerin ein sehr berührendes Feedback, wofür ich ihr herzlich dankte. Ich war versöhnt und ging einmal mehr mit der Erkenntnis aus dem Seminar, dass manche Teilnehmende vielleicht etwas länger brauchen und sich ein, wenn auch schwieriges, aber dennoch klärendes Gespräch wirklich lohnt. Und dann, die Teilnehmenden waren gegangen, las ich die Evaluationsbögen: „Die Dozentin kann nicht mit Kritik umgehen und man wird deshalb auch am nächsten Tag ignoriert. Sie war am dritten Tag genauso. Nur Vorurteile.“ Wow! Das saß! Das tat weh! Ich war wirklich erschrocken und sprachlos. Dieses Feedback war extrem unangenehm. Es deckte sich so gar nicht mit dem, wie ich Teilnehmenden begegnen, wie ich herausfordernde Situationen gestalten möchte. Hier hatte jemand das anscheinend anders erlebt. Ich war aber auch empört und verärgert. Diese Worte passten so gar nicht zu dem, wie ich die Situation erlebt hatte. Ich konnte das kaum fassen. Es war eine Einzelmeinung, aber sie rührte an meinen Werten und meinem Selbstverständnis. Ich brauchte einige Tage und mehrere Gespräche, um diese Erfahrung zu verdauen.

Ein anderes Erlebnis hat mir nicht im Herzen, sondern auf körperlicher Ebene heftige Schmerzen zugefügt. Während einer Sightseeing-Tour in Port Louis habe ich die geschmückte Fassade einer Moschee bestaunt. Dabei trat ich in den Rinnstein, knickte um und fand mich plötzlich auf der Straße liegend wieder. Zunächst war es ein gewaltiger Schreck. Ich konnte mich wieder aufrappeln, alle Knochen und Gelenke schienen unversehrt. Ich konnte alles bewegen und gehen. Was jedoch unfassbar schmerzte, war mein Knie. Mir schossen Tränen in die Augen. Meine lange Hose verdeckte es zunächst, aber ich hatte mir eine heftige Abschürfung und Prellung zugezogen. Mehrere Tage lang war mein Knie dick angeschwollen und schillerte dann in allen Farben, die blaue Flecken so hergeben. Hui, das war nicht geplant. Die folgenden Tage sind wir dann, im wahrsten Sinne des Wortes, erstmal etwas kürzer getreten. Im Nachhinein bin ich dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Was bleibt, sind eine Narbe, eine Geschichte und einige Fotos, die ich hier lieber nicht zeige. Sie sind nicht für schwache Nerven geeignet.

Wie habe ich mich 2025 besonders gut erholen können?

Lerngruppen zu begleiten, ist mir eine große Freude. Auch bei meinen externen Beobachtungen erlebe ich viele goldene Momente und gehe mit einem Gefühl von Wirksamkeit und Dankbarkeit nach Hause. Oft genug – und so auch in 2025 – sind meine Aufgaben auch sehr anspruchsvoll, fordernd und kraftraubend. Es geht ans Eingemachte, ich bin mit Fehlverhalten und Widerstand konfrontiert oder habe ein unangenehmes Feedback zu verdauen. Körper und Geist rufen dann nach Verarbeitung, nach Ausgleich, nach Erholung.

Ausgleich und Erholung finde ich auf verschiedene Weise. 2025 war das Wandern und Spazierengehen mein Favorit. Ich bin sehr oft allein in Wald und Flur unterwegs und spüre, wie ich dort wieder zu mir komme. Meine Sinne werden aktiviert, ich lausche, rieche, schaue und staune über die vielfältigen Wunder der Natur. In den letzten Tagen erst leuchteten meine Augen und mein gesamter Körper weitete sich, weil ich für einige Sekunden einen funkelnden, schillernden Eisvogel sehen konnte. Wow!

Ebenso große Freude wird bei mir lebendig, wenn ich gutes Essen sehe und schmecke. Ich sitze so gern, auch allein, in meinem Lieblingscafè Milchkaffee in der Köpenicker Altstadt und genieße Anblick und Geschmack dieser Kunstwerke und Köstlichkeiten. Alles ist mit so viel Liebe gemacht! Eine Stunde dort ist wie ein kleiner Urlaub.

Last not least. Fast vier Wochen lang zu reisen, war 2025 nicht nur ein großes Abenteuer. Ich habe mich auch so gut erholen können wie in keinem anderen Urlaub zuvor. Boot fahren, Strandschätze finden, richtig gut versorgt werden, Riesenschildkröten in der Natur beobachten, auch mal nur herumliegen oder überlegen, welchen Rumcocktail ich ausprobieren möchte – das alles gab es auf unserer Reise auch und es hatte einen einmaligen Erholungswert. Was für ein Geschenk, das wir uns da gemacht haben. Das auch andere uns gemacht haben. Und was für ein Privileg. Unendlich dankbar bin ich auch dafür.

Wofür bin ich 2025 besonders dankbar?

Ich bin dankbar für meinen Mann, der seit 34 Jahren an meiner Seite ist. Ich bin dankbar für das Leben, das wir uns aufgebaut haben. Ich bin dankbar für unseren Mut, uns selbständig zu machen und diesen Weg immer weiter zu gehen. Ich bin dankbar dafür, dass wir uns darin immer gegenseitig unterstützen.

Ich bin dankbar für das Abenteuer Familie, das wir gemeinsam leben. Für unsere gemeinsamen Kinder, die mich so viel über das Leben gelehrt haben und noch immer tun. Ich lerne noch, die Mutter von erwachsenen Kindern zu sein.

Ich bin dankbar für dieses irre Geschenk, das wir uns zu unserem Hochzeitstag gemacht haben: Eine fast vierwöchige Reise nach Mauritius. Ich bin allen Menschen dankbar für ihre großzügigen Zeit und Geldgeschenke, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben, vor allem meinen Eltern und Schwiegereltern. Ich danke meinem Mann, dass er uns unfallfrei durch den mauritischen Linksverkehr gebracht hat. Ich danke unserem Sohn, dass er während unserer langen Abwesenheit die Wohnung nicht abgefackelt und die Überreste etwaiger Partys restlos beseitigt hat.

Ich danke meinen Freunden und Freundinnen, die mir treu bleiben, auch wenn wir uns manchmal wochenlang nicht hören. Die mir treu bleiben, auch wenn ich manchmal etwas kompliziert bin. Ich danke euch dafür, dass ihr meine Tiefgründigkeit wertschätzt und mein lautes Lachen.

Ich danke der Künstlerin Jo Pauli für ihre kostbare Gabe zuzuhören und für den Satz: „Ich warte noch einen Moment, vielleicht kommt da noch was.“ Unsere Zuhörübung hat mir neue Klarheit gebracht und meine Erfahrungen im Bereich Zuhören noch einmal deutlich erweitert. Ich danke Andrea Schild, sie hat diese Zuhörübung ins Leben gerufen.

Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin. Ich brauche nicht weit gucken, um zu sehen, dass das nicht selbstverständlich ist.

Ich bin dankbar dafür, dass ich meinen Beruf so ausüben kann, wie ich es mir vorstelle, über meine Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Ich bin allen Menschen dankbar, die mir ihr Vertrauen schenken und deren Lern- und Entwicklungsprozesse ich im Rahmen von Supervision, Fortbildung oder externer Beobachtung begleiten darf.

Danke sagen möchte ich allen Kolleg*innen, die mich 2025 auf die eine oder andere Weise begleitet und mir ihre Zeit geschenkt haben. Manchmal ist es ein intensiver Austausch, manchmal ein Raum zum Dampf ablassen, manchmal die Gewissheit, mit schwierigen Erfahrungen nicht allein zu sein und sehr oft auch eine neue Perspektive. Besonders möchte ich an dieser Stelle die Kolleg*innen aus dem Bundesnetzwerk Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik erwähnen, die mir bei unserer Jahrestagung oder während der kollegialen Intervision begegnet sind.

Ganz besonders danke ich allen pädagogischen Fachkräften und Kindertagespflegepersonen, die Kinder in ihren ersten Jahren feinfühlig begleiten, die Licht und Wärme schenken, die Kindern zuhören und ihre Rechte achten. Allen, die mutig neue Wege gehen und sich, aller Herausforderungen zum Trotz, weiterentwickeln wollen. Ich weiß, ihr seid da und ihr seid viele.

Wie lässt sich mein 2025 in Zahlen darstellen?

  • 20 Tage Fortbildungen für Teams und Kita-Träger mit 7 verschiedenen Themen, deren gemeinsame Überschrift sein könnte: Situationen, die ich als Herausforderung empfinde
  • 26 Supervisionstermine für Teams, Einzelpersonen, Kita-Leiterinnen und Menschen aus der Schulsozialarbeit
  • 93 beobachtete pädagogische Fachkräfte in Kitas und Horten an insgesamt 49 Beobachtungstagen
  • kaum zählbare Stunden und Tage für Vor- und Nachbereitung aller Veranstaltungen und Termine
  • 10 Tage für eigene Fortbildung, Supervision, Netzwerk und Tagungen
  • 1.836,90 Euro beruflich veranlasste Fahrtkosten im eigenen PKW
  • 1 Interview mit zwei angehenden Psycholog*innen über meine Tätigkeit und meinen beruflichen Werdegang, eine kleinen biografische Selbstreflexion
  • 2.884.230 gelaufene Schritte mit Lust, in 2026 die 3 Millionen zu knacken
  • 20.560 geflogene Kilometer nach 10 Jahren ohne Flugreisen
  • 7 Tage Fasten an der Ostsee, die nächste Reise ist geplant
  • mein 48. Geburtstag, ich mag die Schönheit dieser Zahl
  • unser 25. Hochzeitstag, zu dem wir spontan Freunde aus 25 Jahren eingeladen haben, ein Jubiläum, das mich noch immer trägt

Mein Ausblick auf 2026

Was ich 2026 anders mache

Ich blogge mehr über meine Arbeit: Best Practices aus der pädagogischen Arbeit in Kitas und Horten, Buchempfehlungen, Input zur Begleitung von Konflikten und Aushandlungsprozessen oder zum Umgang mit starken Gefühlen, wirksame Lernsettings und Fragen aus meinen Fortbildungen und Supervisionsprozessen. Es gibt so viele wertvolle Momente und Themen, die es wert sind, mit euch geteilt zu werden. In 2025 habe ich genau 0 Blogartikel veröffentlicht, war aber sehr oft damit beschäftigt, Stories oder kleine Beiträge für Social Media zu schreiben. Ich wünsche mir mehr Nachhaltigkeit und schenke deshalb, beginnend mit diesem Jahresrückblick meinem Blog mehr Aufmerksamkeit.

Ich halte mehr Ordnung und sortiere mehr aus. Zwei Mal im Jahr holt sie mich ein: Meine Tendenz zur Unordnung. Zwei Mal im Jahr – vor dem Sommerurlaub und vor Weihnachten – blicke ich auf meinen Schreibtisch und frage mich: Wie konnte es wieder so weit kommen? Da liegen mehrere Bücher, in denen ich etwas nachgelesen habe. Da liegen Zettel und Notizbücher, die mir als Gedächtnisstütze dienen. Da liegen vielerlei Stifte in meinen Lieblingsfarben, die mir das Schreiben und Zeichnen zur sinnlichen Freude machen. Alles wild durcheinander. Alles in mehreren Schichten, ähnlich den Jahresringen eines Baumes. Das Finden dauert jedes Mal länger, die innere Unordnung wächst im gleichen Maß. Ich mache mir nichts vor, ich werde nicht plötzlich Ordnung halten, nur weil 2026 anbricht. Was ich aber für sehr machbar halte, ist die Fünf-Minuten-Methode, die ich seit drei Tagen für das tägliche Aufräumen anwende. Das Prinzip dahinter: Druck reduzieren, anfangen, dranbleiben.

Ich kehre zu einem bildschirmfreien Morgen und Abend zurück. Mir geht es wie wahrscheinlich vielen von euch. Viel Arbeit am Rechner und dann noch das Smartphone in Reichweite. Ein Telefonat hier, eine kleine Recherche da und immer wieder „nur kurz“ oder „zum Runterkommen“ Instagram oder Facebook (setze hier einen Social Media Kanal deiner Wahl ein) checken. Mir tut das nicht gut. Vor allem mein Schlaf leidet darunter. Deshalb gibt es bei mir seit dem 5. Januar den bildschirmfreien Morgentee und das dokumentiere ich ganz altmodisch in meinem Tagebuch. Was ich stattdessen tue? Schreiben, Lesen, die Teetasse halten. Das reicht. Ich merke jetzt schon, dass ich entspannter und gleichzeitig fokussierter in meinen Tag starte.

Was ich 2026 beibehalten werde

Wandern. Das werde ich in 2026 genau so machen wie im vergangenen Jahr. Kurze Spaziergänge oder lange Touren. Allein, zu zweit oder in einer Gruppe. Ich werde unterwegs sein. Beim Wandern spüre ich meinen Körper intensiv. Beim Wandern entdecke ich die Schätze der Natur. Beim Wandern fällt Last von meinen Schultern, der Kopf wird freier, das Denken kommt in Bewegung und neue Ideen wachsen.

In die Tiefe gehen. Sinn suchen. Verhalten verstehen. Das kann ich, das will ich. Auch in 2026 und darüber hinaus.

Viele Menschen geben dem Jahr, das auf sie zukommt, ein Motto. Mir fällt es schwer, in wenigen Worten auszurufen, was das Jahr für mich bedeuten soll. Ich halte mich da eher an Kierkegaard und lebe das Jahr vorwärts, um dann im Rückblick zu verstehen, welches Motto, welche Überschrift es getragen haben könnte. Was ich statt eines Mottos als Grundstimmung beibehalten werde, sind einige Worte von Wilhelm von Humboldt, die von Anfang an und bis heute auf meinen Visitenkarten stehen und die auch auf meiner Über-Mich-Seite zu finden sind: Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben.

So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten

Schon lange denkst du daran und willst es nun endlich angehen: Supervision für deine Arbeit als Führungsperson oder Lernbegleiter*in? Ich biete dir einen Raum, dein Handeln regelmäßig zu reflektieren, dein Ressourcen wiederzufinden, neue Perspektiven zu entdecken und Lösungsmöglichkeiten für Herausforderungen zu entwickeln. Du hast die Möglichkeit, Einzelsupervision in Anspruch zu nehmen oder Teil einer regelmäßigen Supervisionsgruppe zu sein. Ruf mich an und wir erkunden, ob wir gut miteinander arbeiten können.

Auf dem Bild ist ein Beratungssetting zu sehen. Es besteht aus zwei Sesseln, die einander gegenüberstehen. zu jedem gibt es einen Beistelltisch. Im Hintergrund sieht man eine Stehlampe mit warmem Licht und ein Bild an der Wand.

Auch in 2026 biete ich für Teams, Träger und Fortbildungsinstitute zukunftsorientierte Fortbildungen in der Frühpädagogik an. Melde dich zu einer dieser Fortbildungen an, zum Beispiel zu Ein Bauch voll Wut – Starke Gefühle junger Kinder begleiten beim Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg.

Oder bitte deinen Träger bzw. deine Kita-Leitung darum, eine Fortbildung für euch zu buchen. Pädagogisch herausfordernde Situationen in der Kindertagesbetreuung sind mein Spezialgebiet. Ich bin für euch die richtige Ansprechpartnerin, wenn ihr eine Fortbildung zu einem der folgenden Themen machen möchtet:

  • Konflikte und Aushandlungsprozesse unter Kindern begleiten
  • Hauen, Kratzen, Beißen – Übergriffe zwischen Kindern verstehen und deeskalieren
  • Aggressives Verhalten von Kindern verstehen und konstruktiv begleiten
  • Widerstand, Protest und Beschwerden von Kindern aufgreifen
  • Freude, Wut und Traurigkeit – mit starken Gefühlen von Kindern umgehen

Pädagogische Fachkräfte, die in einer meiner Fortbildungen gemeinsam gelernt haben, äußerten mehrfach den Wunsch, sich in Abständen erneut zu treffen, um zu reflektieren, sich auszutauschen, Themen zu vertiefen und sich gegenseitig zu stärken. Diesen Wunsch möchte ich wahr machen! Es gibt vier Treffen im Jahr. Immer am Donnerstag, immer am Vormittag. Informationen und Anmeldung direkt bei mir: dialog@sabrina-dittmann.de

Ich will 2026 drei Gastartikel über Konflikte und Aushandlungsprozesse unter Kindern und das Begleiten starker Gefühle schreiben. Wenn du einen thematisch passenden Blog hast und dich über einen Gastbeitrag freust, melde dich bei mir unter: dialog@sabrina-dittmann.de. Du möchtest einen Gastartikel für meinen Blog schreiben, der zum frühpädagogischen Arbeitsfeld passt und meine Themen sinnvoll ergänzt? Schicke mir deinen Vorschlag. Ich bin gespannt.

Mehrfach war ich schon in verschiedenen Podcastformaten zu Gast und habe mit den Hosts über Konfliktbegleitung, Beißen als Entwicklungsphänomen oder die Begleitung starker Gefühle gesprochen. Hier findest du drei Beispiele:

Gern komme ich 2026 auch in deinen Podcast und teile meine Gedanken und Gefühle, meine Erfahrungen und mein Wissen mit dir und deiner Community. Ich liebe es tiefgründig. Wenn du Lust hast, herausfordernde Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven genauer zu betrachten, schreib‘ mir eine Mail.

Was siehst du?

Zu sehen ist ein Flipchart, das vor einer Tür steht. Auf dem Flipchart ist ein Punkt gezeichnet.
Der Punkt – Eine Übung, um die eigene Wahrnehmung zu reflektieren

… fragte ich die Teilnehmerinnen des Seminars „Aggressive Verhaltensweisen verstehen und konstruktiv begleiten“ und präsentierte ein Flipchart, wie du es auf dem Foto sehen kannst. „Schreibe alles auf einen Notizzettel, was dir einfällt.“, ergänzte ich und gab dann eine Minute Zeit zum Schreiben.

Wenn du Lust hast, dieses kleine Experiment mitzumachen,
dann nimm dir ebenfalls einen Zettel und schreibe alles auf, was du sehen kannst.
Lies danach weiter.

Nach einer Minute bat ich die Teilnehmerinnen darum, alles vorzulesen, was sie notiert hatten. Die Antworten waren sehr vielfältig: Eine hatte einen grauen Kreis gesehen, die nächste eine Weltkugel. Die dritte beschrieb eine runde Fläche mit dunkelgrünen Streifen, die vierte einen Ball in einer dunklen Farbe. Eine der Teilnehmerinnen hatte notiert, dass sich die Fläche ungefähr in der Mitte des Blattes befindet. Eine andere beschrieb genau, dass die Farbstreifen diagonal verlaufen und die Fläche nicht vollständig ausgemalt ist. Wir staunten gemeinsam über die Vielfalt des Geschriebenen.

Die Teilnehmerinnen warteten nun ganz gespannt auf eine Auflösung. Ich fragte stattdessen, worin sich die Antworten unterscheiden und was alle Antworten gemeinsam haben. Sehr schnell einigte sich die Runde darauf, dass manche eher beschrieben und andere eher gedeutet hatten. Gemeinsam hatten sie auch erkannt, dass die Genauigkeit der Beobachtung oder die Präzision bei der Wortwahl sich sehr unterschieden. Schon an diesem Punkt war es für alle eine wichtige Lektion zum wertfreien Beschreiben. Niemandem jedoch wollte einfallen, was alle Antworten gemeinsam hatten. Diese Frage durfte ich auflösen: „Jede von euch hat ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf die farbige Fläche in der Mitte gerichtet. Keine hat das Papier näher beschrieben, die feinen Linien darauf oder die Schriftzüge am unteren Ende des Blattes. Niemand hat über die Klemmvorrichtung oder die Rollen des Flipcharts gesprochen oder über irgendetwas, das über das Flipchart hinausgeht.“ – „Ahhh, jetzt fühle ich mich ertappt.“ rief eine der Teilnehmerinnen. In ihrer Stimme schwang eine große Portion Erkenntnis und ein leiser Ärger darüber, dass sie sich hatte verführen lassen.

„Genau so ist es mit dem aggressiven Verhalten von Kindern.“, fuhr ich fort, „die Aufmerksamkeit – und mit ihr eure ganze Energie – geht nur noch zu dem Verhalten, das anstrengt, auffällt oder verletzend ist. Beim hartnäckigen Versuch, Kinder zu schützen, nach Ursachen zu fahnden und endlich Lösungen zu finden, werden wir verführt, nur noch auf das Verhalten zu schauen, das für uns schwierig ist. Und dabei sind die Kinder sind so viel mehr.“

Wenn du dich hier wiedererkennst, dann frage dich gern, was du siehst und was nicht, wo genau du hinschaust und wo du bisher nicht oder nicht gründlich genug hingeschaut hast. Nimm gern die folgenden Fragen mit, um deiner Aufmerksamkeit eine neue Richtung zu geben:

  • Welche Verhaltensweisen des Kindes mag ich, mit welchen finde ich einen leichten Umgang?
  • In welchen Situationen zeigt das Kind andere Verhaltensweisen?
  • Wann spielt es vertieft, ist hilfsbereit oder hat gute Ideen für die Gruppe?
  • Welche Schritte ist das Kind schon gegangen? Was hat es dazugelernt?

Die Antworten auf diese Fragen decken Ressourcen und Kompetenzen des Kindes auf, weiten den Blick für pädagogische Handlungsmöglichkeiten, ebnen den Weg für neue Beziehungserfahrungen mit dem Kind und tragen wesentlich dazu bei, dass alle Beteiligten sich entspannen und dazulernen können.

Ich wünsche dir bei deiner Entdeckungsreise viel Freude und einige Aha-Momente.

Streiten lernen

Zu sehen sind zwei Robben mit weit geöffnetem Maul. Spitze Zähne sind sichtbar. Sie scheinen im Konflikt zu sein, sie könnten einander beißen.
Streiten gehört dazu

In Kindertageseinrichtungen gehören Konflikte zwischen Kindern zum Alltag. Oft finden lautstarke verbale Schlagabtausche statt, immer wieder kommt es auch zu körperlichen Übergriffen. Viele pädagogische Fachkräfte empfinden das als belastend und fühlen sich beeinträchtigt. Sie wünschen sich ein harmonisches Miteinander und beenden Streit so schnell wie möglich. Andere pädagogische Fachkräfte empfinden Konflikte zwar als störend, lassen die Kinder aber ihre Angelegenheiten selbst regeln. Sie schreiten nur ein, wenn eine Eskalation verhindert werden muss. Beide Vorgehensweisen sind nachvollziehbar. Sie zeigen individuelle Werte, Ziele und Bedürfnisse. Gleichzeitig haben beide Vorgehensweisen ihre Tücken. Welche das sind, erfährst du in diesem Beitrag. Außerdem gebe ich dir Impulse und praktische Beispiele für eine hilfreiche Konfliktbegleitung.

Streiten lernen – Was gehört dazu?

Das Klären und Lösen von Konflikten ist eine sehr komplexe Aufgabe, die auch für Erwachsene immer wieder eine Herausforderung ist. Sie erfordert eine Reihe von sozial-emotionalen und kognitiven Fähigkeiten:

  • eigene Bedürfnisse, Gefühle, Interessen und Grenzen wahrnehmen und mimisch, gestisch oder mit Hilfe von Worten ausdrücken
  • die Folgen des eigenen Handelns absehen und bei der Handlungsplanung berücksichtigen
  • Mimik, Gestik und Worte von anderen wahrnehmen und die damit verbundenen Bedürfnisse, Gefühle, Interessen und Grenzen erkennen und berücksichtigen
  • Gefühle regulieren, Bedürfniserfüllung aufschieben und Impulse kontrollieren
  • sich in die Lage anderer versetzen

Schon sehr junge Kinder verfolgen die eigenen Interessen sehr zielgerichtet und drücken ihre Gefühle mimisch und gestisch aus. Über viele der oben genannten Fähigkeiten verfügen sie jedoch noch nicht, da diese sich erst mit der Reifung der Großhirnrinde entwickeln. Aus diesem Grund kommt es bei Kindern unter drei Jahren häufig zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Verhaltensweisen wie Kratzen, Beißen, Haare ziehen oder Hauen sind dabei nicht ausgeschlossen. Für solche Situationen benötigen Kinder eine vorausschauende und verlässliche Konfliktassistenz von Erwachsenen, auch zu ihrem Schutz.

Mit fortschreitender Entwicklung der Kinder, insbesondere ab einem Alter von etwa drei Jahren, bietet jede Konfliktsituation die Gelegenheit, diese Fähigkeiten zu erproben, zu erweitern und dazuzulernen. Wenn du hier vorschnell eingreifst und Konflikte unterbindest oder fertige Lösungen präsentierst, nimmst du Kindern diese wertvollen Lernerfahrungen. Außerdem setzt du dich selbst mächtig unter Druck. Findest du keine gerechte Lösung, werden Konflikte nicht wirklich beigelegt und flammen immer wieder auf.

Als pädagogische Fachkraft bist du also gefordert, eine gute Balance zu finden. Du darfst begleiten und schützen, wenn Kinder nicht allein zurechtkommen. Du darfst zutrauen und ermutigen, wenn Kinder selbst aktiv werden können und wollen.

Zutrauen und Ermutigung

In gewaltfreien und gleichberechtigten Konfrontationen ist dein Zutrauen gefragt. Beobachte die Kinder aufmerksam, begib dich gegebenenfalls in Hörweite, halte dich aber mit Vorschlägen und deiner persönlichen Meinung zurück.

Fachkraft Matti wird auf Emil und Ben aufmerksam. Beide liefern sich ein lautstarkes Wortgefecht. „Du bist schon drei Runden gefahren. Jetzt will ich das Auto haben.“ – „Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe es gerade erst bekommen!“ – „Aber vorhin hat dir Suse das Auto gegeben.“ – „Ja, aber dann war ich auf dem Klo!“ So geht es immer hin und her, beide haben vor Erregung gerötete Gesichter. Matti begibt sich Stück für Stück in ihre Nähe und hört sich den Streit eine Weile an.

Solange die Beteiligten Worte für ihre Positionen finden und ihre Gefühle durch Lautstärke ausdrücken, besteht die Chance, dass sie zu einer Lösung finden. Bleib in der Nähe. Allein dadurch bietest du Kindern Sicherheit und kannst im Bedarfsfall rechtzeitig unterstützen.

Sehr häufig kommt es vor, dass sich Kinder an Fachkräfte wenden und sich über andere Kinder beschweren. Manchmal zeigen sie auf diese Weise, dass sie Begleitung benötigen. Manchmal reicht es schon aber schon, zuzuhören und kleine Impulse zu geben. Du kannst nach den bisherigen Lösungsschritten fragen oder zu einzelnen Handlungsschritten ermutigen.

Elif kommt zu Erzieher Piet gelaufen: „Merle nimmt immer unsere Decke weg.“ Piet spiegelt Elifs Gefühle und fragt nach: „Oh, das stört dich wohl, du scheinst sehr verärgert. Weiß denn Merle, dass du das nicht möchtest? Hast du es ihr gesagt?“ Elif überlegt kurz und läuft dann beschwingt davon.

Nach einiger Zeit kehrt Elif zurück: „Merle nimmt immer wieder die Decke. Sie hört nicht, was ich sage.“ Piet spiegelt und fragt erneut: „Das ist ja wirklich ärgerlich. Wie kann ich dir denn jetzt helfen?“ – „Du musst ihr das sagen.“ – „Du möchtest gern, dass ich ihr das sage?“ – „Ja!“ Piet schlägt vor: „Elif, was hältst du davon, wenn ich das mal beobachte. Wir können dann auch gemeinsam mit Merle reden. Bist du einverstanden?“

Wenn du den weiteren Verlauf des Konflikts verfolgst, fühlen sich Kindern ermutigt. Außerdem kannst du konkrete Unterstützung anbieten und Vorschläge machen. Offene Fragen oder das Einholen des Einverständnisses signalisieren den Kindern dein Vertrauen in ihre Fähigkeiten fordern sie zugleich heraus, aktiv am Prozess mitzuwirken.

Auf Kollisionskurs – Einschreiten und Koregulieren

In manchen Situationen reichen Ermutigung und Zutrauen allein nicht mehr aus. Stattdessen ist konkrete Hilfe gefragt. Kinder haben ein gutes Gespür dafür, wann sie Hilfe benötigen und zeigen das auf unterschiedliche Weise. Achte deshalb in kritischen Situationen auf die Signale des Kindes. Schaut es sich suchend nach dir um? Ruft es nach dir? Beschwert es sich? Weint es vielleicht? Zieht es sich zurück? Das alles kann bedeuten: „Ich weiß nicht weiter. Bitte hilf mir.“

Wenn du unsicher bist, ob Hilfe benötigt wird oder du vermutest, dass eine Situation eskalieren könnte, bleib auf jeden Fall in der Nähe. Du kannst die Kinder auch fragen, ob sie Hilfe benötigen.

„Du bist schon drei Runden gefahren. Jetzt will ich das Auto haben.“ – „Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe es gerade erst bekommen!“ – „Aber vorhin hat dir Suse das Auto gegeben.“ – „Ja, aber dann war ich auf dem Klo!“ So geht es immer hin und her, Emil und Ben haben vor Erregung gerötete Gesichter. Fachkraft Matti hört sich den Streit eine Weile an und sagt dann: „Ich habe euren Streit schon von Weitem gehört. Kommt ihr zurecht?“.

Es kann sein, dass Emil und Ben ihr Wortgefecht über Eck fortsetzen und auf diese Weise die Hilfe der Fachkraft einfordern. Dann reichen meist kleine Impulse, die das weitere Gespräch begleiten und moderieren. Wenn Kinder mit sehr unterschiedlichem Temperament oder Entwicklungsstand (Sprache, Impulskontrolle oder Perspektivübernahme) aufeinandertreffen, ist mehr Vermittlung nötig.

Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn sehr junge Kinder in einen Konflikt geraten. Viele Eskalationen und Verletzungen lassen sich durch vorausschauende Begleitung vermeiden.

Rudi steht am Waschbecken und lässt sich genüsslich das Wasser über die Hände laufen. Adi kommt dazu, um ebenfalls an den Wasserhahn zu gelangen und drängt Rudi dabei immer mehr zur Seite. Rudi gerät ins Wanken, seine Augen sind schreckgeweitet. Tagesvater Lutz hält Adi an der Schulter zurück und sagt: „Adi, warte. Rudi braucht noch einen Moment. Du möchtest auch an den Wasserhahn, gleich bist du dran.“

Deine Unterstützung ist unbedingt erforderlich, wenn Kinder zu hauen beginnen, einander Spielzeug entreißen oder die Gefahr besteht, dass jemand auf andere Weise verletzt wird. Das gilt auch für verletzende Worte und Ausgrenzungen aller Art. Handgreiflichkeiten stoppst du, indem du hingehst und dich schützend zwischen die Kinder stellst. Manchmal ist es nötig, dass du ein Kind festhältst. Sprich das Kind mit Namen an und sage ihm, was es tun soll.

Sarah buddelt ganz vertieft mit einer roten Schippe im Sand. Max hat nun genau diese Schippe für sich entdeckt. Er will Sarah die Schippe aus der Hand ziehen und ruft: „Meine!“. Sarah gibt nicht nach, beide ziehen hin und her, die ersten Tränen steigen auf. Fachkraft Robin kommt dazu und berührt Max am Arm: „Max, lass‘ los.

Eben noch haben Jo und Frida scheinbar friedlich Bausteine zu einem Turm gestapelt. Im nächsten Moment brennt die Luft. Frida zieht Jo an den Haaren, Jo holt mit dem Arm aus. Erzieherin Petra spricht ruhig, aber bestimmt: „Jo! Stopp! Frida, lass los! Auseinander!“ und schiebt die Kinder auseinander.

Dabei ist es ist wichtig, ruhig und besonnen zu agieren. Zeige den Kindern durch deine Stimme und Haltung, dass du sie unterstützen möchtest und einen Ausweg aus dem Konflikt zeigen kannst. Im nächsten Schritt brauchen die Kinder Unterstützung bei der Emotionsregulation. Gib ihnen die Gelegenheit, sich zu beruhigen. Biete zum Trost deine Hand oder eine Umarmung an, vielleicht möchten sie sich auch einen Moment zurückziehen.

Wenn die Kinder sich beruhigt haben und ansprechbar sind, dann kann über den Konflikt gesprochen werden. Bei jüngeren Kindern bedeutet das vor allem, die Gefühle, Bedürfnisse und Interessen beider Kinder zu versprachlichen und Lösungsmöglichkeiten anzubieten.

Fachkraft Robin kommt zum Sandkasten und berührt Max am Arm: „Max, lass‘ los!“ – „Ich sehe, du ärgerst dich, weil Sarah die Schippe nicht hergibt.“ – „Und Sarah, du bist ganz erschrocken, weil Max die Schippe nehmen will.“ – „Ihr braucht beide gerade eine Schippe.“ – „Max, schau mal, hier ist noch eine Schippe.“, sagt Robin und zeigt auf eine weitere Schippe.

Je älter die Kinder werden, desto öfter geht es darum, das Gespräch durch Fragen anzuregen, das gegenseitige Verstehen zu unterstützen und den Konfliktlösungsprozess zu moderieren. Orientierung bieten dabei die Phasen, die im Rahmen einer Mediation durchlaufen werden.

Eisberge schmelzen lassen – Konfliktgespräche

Voraussetzung für ein hilfreiches Gespräch ist, dass du allen Kindern offen begegnest. Es geht nicht darum, Schuldige zu identifizieren oder jemanden zu verurteilen, sondern gemeinsam zu einer Einigung zu kommen. Wenn du selbst verärgert bist oder eines der Kinder noch ängstlich oder wütend ist, dann gib euch Zeit zur Beruhigung oder bitte eine:n Kolleg:in um Unterstützung.

Das Gespräch beginnt damit, die unterschiedlichen Sichtweisen der Kinder anzuhören und gemeinsam herauszufinden, worum geht es eigentlich geht. In der Mediation spricht man von der Konfliktdarstellung und der Konflikterhellung. Deine Aufgabe ist es, durch offene Fragen das Erzählen anzuregen, aktiv zuzuhören und die Aussagen der Kinder zusammenzufassen. Beschuldigende Äußerungen der Kinder kannst du durch Nachfragen und Umformulierungen entschärfen. So hilfst du den Kindern auch dabei, die Interessen und Perspektiven des anderen nachzuvollziehen.

„Ihr habt euch ja gerade mächtig gestritten. Was ist denn eigentlich passiert?“
„Ich habe gesehen, dass du Jo an den Haaren gezogen hast. Wie ist es denn dazu gekommen?“

„Julius, du hast gesagt, Max hat dich angegriffen. Was meinst du denn damit?“
„Ach, du bist über sein Bein gestolpert? Und du hast gedacht, er hätte dir absichtlich ein Bein gestellt?“

„Du wolltest den Platz für dich haben und Cem hat das nicht verstanden? Da wusstest du dir nicht anders zu helfen und hast ihn weggestoßen?“

„Du wolltest eine Decke zum Kuscheln haben? Habe ich das richtig verstanden? Deswegen hast du sie immer wieder genommen. Kann es sein, dass du müde bist?“
„Hast du das gehört, Elif? Merle brauchte etwas zum Kuscheln.“

Wenn geklärt ist, was alle Beteiligten wollten – manchmal reichen dazu wenige Sätze – kannst du zur Lösungssuche überleiten. Manchmal kommen die Kinder von sich aus auf Ideen. Je nach Situation kann eine der folgenden Fragen hilfreich sein:

„Und nun? Wie geht es jetzt weiter?“
„Was könnt ihr denn nun machen, damit ihr beide zufrieden seid?“
„Hast du auch eine Idee? Was würde dir helfen?“

„Ich habe auch noch eine Idee. Möchtet ihr die hören?“
„Was haltet ihr davon, wenn …?“

Fasse auch hier wieder in deinen Worten zusammen und frage dann die Kinder, welche der Lösungen für sie passt bzw. ob sie mit einem Vorschlag einverstanden sind.

„Jo hat vorgeschlagen, dass sie den Turm wieder aufbaut. Wäre das in Ordnung für dich?“
„Jo, Frida möchte lieber etwas anderes spielen und hätte gern, dass du die Bausteine einräumst. Bist du einverstanden?“

Bleibe anschließend noch in der Nähe. Manchmal brauchen Kinder Unterstützung bei der Umsetzung, vielleicht bedarf es noch einer Änderung oder einer Spielbegleitung. Nicht immer sind alle mit einer Lösung glücklich. Das ist auch in Ordnung. Dann besteht die Aufgabe darin, die betreffenden Kinder noch zu begleiten.

„Du wolltest so gerne mit Johanna spielen und Johanna mag jetzt lieber allein sein. Das ist traurig für dich. Hhm. Ich kann eine Weile bei dir sein. Wie wäre das?“

Erfolge feiern

Streiten kann man lernen. Es ist ein Lernprozess für alle Beteiligten. Manchmal strengt es nur wenig an, manchmal raubt es allen die letzte Energie. Sei freundlich mit dir und mit den Kindern. Vielleicht magst du für dich selbst oder gemeinsam mit den Kindern überlegen: Was ist uns heute gut gelungen? Wie haben wir den Konflikt gelöst? Wer hat wie dazu beigetragen? Kleine Erfolge zu wertschätzen, direkt nach dem Konflikt oder am Ende eines Tages, kann für alle ein beglückender Moment und zugleich Mutmacher sein.

Eine frühere Version dieses Textes wurde erstmals im März 2022 als Gastbeitrag im Blog von Anja Cantzler veröffentlicht.

Windel adé – Eine Buchempfehlung

Das Bild zeigt ein Buch, welches vor einem Bilderrahmen aufgestellt ist. Daneben ist eine Blumenvase mit einer Rose zu sehen. Der Titel des Buches lautet "Windel adé - Kinder in Krippe und Kita achtsam begleiten". Auf dem Cover ist ein blondes Kind im Alter von etwa zwei Jahren zu sehen.
Windel adé – Ein Buch von Gabriele Haug-Schnabel und Dorothee Gutknecht

Als externe Beobachterin sehe ich in Kindertageseinrichtungen immer wieder Toiletten-, Töpfchen- oder Wickelsituationen, die in mir Irritation, Verwunderung oder auch Abwehr auslösen. Dazu gehört z. B. das hektische Durchwickeln aller Kinder nach den Mahlzeiten oder das andauernde gemeinschaftliche Topfsitzen. Diese Beobachtungen vermitteln den Eindruck, dass der Aktivität Ausscheiden als Bildungsthema in den betreffenden Kitas noch nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dieser Eindruck festigt sich oft in Gesprächen. Manche pädagogische Fachkräfte praktizieren das Probieren, ob „was kommt“. Andere richten ihr Handeln auf die Wünsche der Eltern aus. Berufsanfänger:innen fehlt oft das nötige Wissen und sie übernehmen unreflektiert die gelebte Praxis.

Auf der anderen Seite erlebe ich, dass Pädagog:innen bereit sind, sich aktuelles Wissen anzueignen und das Wickeln bedürfnisorientiert und entwicklungsgerecht zu gestalten. Für diese Fachkräfte gibt es ein Buch, das aktuelles Fachwissen vermittelt und den Einstieg in eine reflektierte Auseinander­setzung mit diesem Bildungsthema ermöglicht.

Dorothee Gutknecht& Haug-Schnabel, Gabriele (2019):
Windel adé. Kinder in Krippe und Kita achtsam begleiten.
Freiburg im Breisgau: Verlag Herder.

Was das Buch inhaltlich bietet

Das Buch ist in zwölf Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel begründen Gutknecht und Haug‑Schnabel, weshalb die aktuelle Literatur von der Begleitung zur Ausscheidungs­autonomie spricht, während in der Vergangenheit von einer Erziehung zur Sauberkeit die Rede war. Der begriffliche Wandel spiegelt z. B. eine veränderte Haltung gegenüber dem Kind, aber auch den Erkenntnisgewinn durch die Forschung.

Das zweite Kapitel rückt die Pflege als Bildungsbereich in den Mittelpunkt, der neben dem sogenannten Ausscheiden,
z. B. auch die Aktivitäten Kommunizieren, sich Kleiden oder Körperpflege umfasst. In unserem Kulturkreis spielt sich Pflege sowohl in der Familie als auch in Kindertageseinrichtungen ab. Für eine responsive Begleitung in diesem Bildungsbereich sollten Pädagog:innen verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Diese werden im dritten Kapitel vorgestellt. Neben umfangreichem Wissen über die physiologische und psychologische Entwicklung sollten Fachkräfte über die Fähigkeit verfügen, Signale zu erkennen, die auf eine Bereitschaft zur Ausscheidungs­autonomie hinweisen. Darüber hinaus benötigen sie ein umfangreiches Handlungsrepertoire, um auf diese Signale angemessen reagieren zu können. Gutknecht und Haug-Schnabel machen deutlich, dass eine Kindertageseinrichtung, die ihren Bildungsauftrag ernst nimmt, das Wickeln nicht grundsätzlich als Aufgabe von  Praktikant:innen betrachten kann.

Im vierten Kapitel werden die Etappen der physiologischen Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle dargestellt. Anschließend werden parallel dazu stattfindende Entwicklungen in den Bereichen Ich-Bewusstsein, Sprache, Kognition und Motorik beschrieben. Die Lesenden erfahren, wie diese Entwicklungen aufgegriffen werden können und z. B. schon sehr früh Partizipation beim Wickeln realisiert werden kann. Außerdem wird nachvollziehbar, weshalb bestimmte Spielthemen, Sprachanlässe oder Verhaltensweisen auftreten. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Freude an der Fäkalsprache oder auch das Verweigern des Toilettengangs genannt, das von Fachkräfte oft als Herausforderung erlebt wird.

Ausführlich beschreiben die Autorinnen im fünften Kapitel, wie Pädagog:innen das Wickeln und die Toilettensituation so gestalten, dass Kinder daran interessiert sind und bleiben, zunehmend selbständiger zu agieren. Als Grundlage gilt die beziehungsvolle und stressfreie Pflege mit sehr bewussten Berührungsinteraktionen. Anschaulich wird beschrieben, wie der Toiletten­gang partizipativ gestaltet und jede Aktion sprachlich angekündigt bzw. begleitet wird. Außer­dem gibt es Anregungen dafür, wie der Zuwendungsverlust kompensiert werden kann, der mit dem selbständigen Gang auf die Toilette einhergeht. Das Kapitel ist darauf ausgerichtet, die Lebensaktivität Ausscheiden als Bildungsthema zu begreifen und entsprechend zu gestalten.

Das sechste Kapitel beleuchtet kulturelle Fragen. Schnell wird deutlich, dass die dem Ausscheiden zugrundeliegenden Reifungsprozesse stark von äußeren Faktoren mitbestimmt und sogar überformt werden. Die Lesenden können sich mit unterschiedlichen Toilettenkulturen vertraut machen und die eigene reflektieren. Außerdem wird das Entstehen von Schamgefühl in diesem Kapitel erläutert. Darüber hinaus wird der Trend, Babys ohne Windeln aufwachsen zu lassen, erklärt und kritisch gewürdigt.

Im siebenten Kapitel erfolgt eine differenzierte Betrachtung zur Bedeutung anderer Kinder in der Gruppe. Das Beobachten ausscheidungsautonomer Kinder gilt als motivierend und das Erlernen der Abläufe kann dadurch ebenfalls unterstützt werden. Gleichzeitig regen die Autor:innen zu Achtsamkeit an. Die Präsenz von Kindern verursacht zahlreiche Reize, die die Wahrnehmung körperlicher Vorgänge beeinträchtigen oder die Fachkraft von zugewandten Interaktionen ablenken. Das Kapitel macht außerdem auf die Ungleichbehandlung von Jungen und Mädchen aufmerksam und gibt Impulse für eine genderbewusste Begleitung aller Kinder in der Kita.

Die Bedeutung des Waschraums als erweiterter Erfahrungsraum ist Thema des nächsten Kapitels. Die Autor:innen geben Anregungen aus der Praxis, wie sich auch ältere Räume mit fehlendem Bewegungsspielraum einladend gestalten lassen. Es wird betont, dass die gute Atmosphäre wichtig ist, um etwa vorhandenen Ängsten lustvolle Erfahrungen entgegen­zusetzen. Weiterhin werden die Vor- und Nachteile von Töpfchen, Einmalhandschuhen und Handtüchern besprochen. Dabei gehen Gutknecht und Haug‑Schnabel differenziert auf das Spannungs­verhältnis zwischen pädagogischen und hygienischen Anforderungen ein.

Das neunte Kapitel widmet sich der Frage, wie Kinder unterwegs oder draußen, abweichend von vertrauten Gegebenheiten, in ihrem Entwicklungsprozess begleitet werden können. Tipps zu nützlicher Ausstattung oder Alternativen zum Abhalten ergänzen das Kapitel.

Typische Phänomene und Schwierigkeiten im Prozess der zunehmenden Ausscheidungs­autonomie sind Gegenstand des zehnten Kapitels. Gutknecht und Haug-Schnabel informieren über Häufigkeiten, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten. Viele Fachkräfte kennen z. B. das Verlangen nach einer Windel für den Stuhlgang, das Einnässen während intensiven Spiels oder Rückschritte, die z. B. im Zusammenhang mit der Geburt eines Geschwisterkindes auftreten. Daneben gibt es aber auch das Einnässen, welches durch Stress in der Kita ausgelöst wird. Abgerundet wird das Kapitel durch die Darstellung der Situation von Kindern mit Entwicklungs­verzögerungen oder körperlichen bzw. geistigen Behinderungen. Lesende erhalten hilfreiche Erklärungen, Beobachtungsfragen und wertvolle Hinweise für präventives Arbeiten.

Das elfte Kapitel ist der Zusammenarbeit mit den Eltern gewidmet. Die Autor:innen benennen die Ziele von Entwicklungsgesprächen rund um das Thema Ausscheidungsautonomie und beschreiben schwierige Elternstrategien – vom Auslagern bis zum Drängen – und wie Pädagog:innen darauf eingehen können. Lesende werden dafür sensibilisiert, wie wichtig und gleichzeitig beschämungsanfällig die Abstimmung zwischen Elternhaus und Kita bei diesem Thema ist. Das Kapitel klärt außerdem über häufige Mythen und überlieferte Strategien vom nächtlichen Wecken bis zu Belohnungssystemen auf, die unter Laien anzutreffen sind.

Im letzten Kapitel betonen Gutknecht und Haug‑Schnabel die Notwendigkeit, sich als Team mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie schlagen Reflexionsfragen vor, z. B. zur Biographie rund um das Ausscheiden, zum Umgang mit Ausscheidungsbedürfnissen im Berufsalltag und zu Empfindungen wie Ekel oder Scham. Außerdem gehen sie darauf ein, weshalb und wie Schlüsselsituationen konzeptionell verankert werden sollten.

Weshalb ich dieses Buch empfehle

Das Buch bietet einen aktuellen, umfassenden Überblick zur Entwicklung der Ausscheidungs­autonomie und wie diese Entwicklung achtsam begleitet werden kann. Dabei werden konkrete Heraus­forderungen aus der pädagogischen Praxis aufgegriffen. Zusätzlich lädt das Buch ein, die Perspektive von Kindern einzunehmen und deren Herausforderungen zu verstehen.

Das Buch ist kompakt geschrieben und übersichtlich strukturiert. Farbige Überschriften und unterlegte Textabschnitte erleichtern die Orientierung und das Lesen selbst. Der Text wird ergänzt durch zahlreiche Fotos und vielfältige Beispiele. Besonders hilfreich sind die konkreten Anregungen zur Gestaltung von Situationen und Dialogen. Ergänzend dazu finden die Lesenden eine Auswahl an Bilderbüchern zum Themenkreis Ausscheidung und Abschied von der Windel.

Das Buch eignet sich sowohl für Berufsanfänger:innen als auch für erfahrene Fachkräfte und Teams, die die gelebte Interaktionsqualität rund um das Ausscheiden reflektieren und weiterentwickeln möchten oder Unterstützung für den Dialog mit Eltern suchen.

Die erste Fassung dieser Rezension habe ich 2020 für das Berliner Institut für Frühpädagogik geschrieben.

Rein in den Matsch

… oder lieber nicht? Das fragte ich mich, als ich bei einem meiner Spaziergänge nicht die gewohnten Bedingungen vorfand. Der romantische Wanderweg an der Erpe hatte sich in eine matschige Strecke verwandelt. Es wirkte alles andere als einladend. Bei jedem meiner vorsichtigen Schritte schmatzte es unter meinen Sohlen. Der Boden schien mich festhalten zu wollen und bewegte sich unter meinen Füßen. Mein Tritt wurde unsicher. Die tief hängenden, grauen Wolken trugen kaum zu einer besseren Stimmung bei. Zu allem Übel ließen mich Kälte und Feuchtigkeit frösteln.

Nur meine Gedanken ließen sich von alledem nicht aufhalten und wanderten: Ist es nicht genau so auch im Beruf? Wir finden nicht immer die Bedingungen vor, die wir gestern noch hatten. Oft arbeiten wir sogar über lange Zeit unter Bedingungen, die alles andere als ideal sind. Das kann irritierend, ärgerlich oder furchteinflößend sein und sehr viel Kraft kosten. Diese eigene Irritation, diesen Ärger oder unsere Furcht und Kraftlosigkeit dürfen wir erstmal sehr einfühlsam zur Kenntnis nehmen. Und im nächsten Schritt können wir auf das schauen, was uns auch in unter diesen Bedingungen zur Verfügung steht. Ist es eine helfende Hand? Ist es ein kleiner Schleichweg? Ist es die bewusste Verlangsamung? Oder ist es ein Paar wasserfester, bequemer Schuhe, das uns in den Matsch hinein und dann wieder hinausführt?

Herzlich Willkommen

… in meinem Blog. Hier schreibe ich über Erfahrungen und Erlebnisse, die mich erfreuen, inspirieren, irritieren oder herausfordern. Ich reflektiere über Fragen, die mir in Fortbildungen oder Beratungsprozessen gestellt werden und die Menschen in ihrer Arbeit bewegen. Regelmäßig empfehle ich auch Podcasts und Filme, Fachliteratur und Kinderbücher rund um die Themen, die mir am Herzen liegen. Ich freue mich darauf.