Selbstfürsorge im Kita-Alltag

Auf dem Bild sehen wir ein kleines Tablett aus Holz. Darauf steht ein Teelicht in einem goldenen Glas und eine Tasse gefüllt mit Tee.
Ein Akt der Selbstfürsorge: Kleine Trinkzeremonie für deine Pause

Fasten, Wandern, Kraft tanken ist für mich das Motto einer kleinen Reise, auf die ich mich gerade vorbereite. Mich warm zu halten, auszuruhen und achtsame Trinkpausen zu genießen, gehört in dieser Zeit ganz selbstverständlich dazu. In meinem beruflichen Alltag ist das nicht immer so. Für pädagogischer Fachkräfte sieht der Alltag ebenfalls oft ganz anders aus. Pause machen, innehalten und durchatmen kommen oft zu kurz. Selbstfürsorge im Kita-Alltag scheint ein Fremdwort zu sein. Dabei sind genau diese kleinen Möglichkeiten zur Regulation und Entspannung dringend notwendig, um Kinder gut begleiten zu können. Das gilt umso mehr, wenn der Alltag von wiederkehrenden Konflikten und anderen herausfordernden Situationen geprägt ist.

Selbstfürsorge als Teil professionellen pädagogischen Handelns

Spiegelneurone machen es möglich: Was wir bei anderen wahrnehmen, löst in unseren Gehirnen eine entsprechende Aktivität aus. Stößt sich jemand den Fuß, zucken wir selbst zusammen. Beobachten wir andere beim Gähnen, überkommt uns selbst eine plötzliche Müdigkeit. Diese Art von Resonanzphänomenen sind den meisten Menschen vertraut und werden seit den 1990er Jahren auch wissenschaftlich erforscht. Wir imitieren unbewusst, was wir bei anderen beobachten und wir sind in der Lage, zu fühlen, was Menschen um uns fühlen, und zwar allein durch das Wahrnehmen ihrer Mimik und Gestik, ihrer Stimme, Atmung oder auch Körperhaltung (vgl. Bauer, 2016).

Resonanz macht auch vor der Kindergartentür nicht halt. Pädagogische Fachkräfte sind in ihrem Alltag wiederholt mit vielerlei Konflikten und anderen herausfordernden Situationen konfrontiert. Für viele ist das mit anhaltendem Stress verbunden, der sich körperlich zeigt: fahrige Bewegungen, angespannte Muskeln, gepresste Stimme, eingeengter und scharfer Blick. Kinder nehmen diese Signale wahr und fühlen den Stress, den die pädagogische Fachkraft fühlt. Die Anspannung überträgt sich auf Kinder. Außerdem werden einige dieser Signale, die von Fachkräften ausgehen, vom Nervensystem des Kindes als Gefahrensignale verarbeitet und beeinträchtigen auf diese Weise das Wohlbefinden zusätzlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass gestresste Fachkräfte die kindlichen Signale von Stress und Unwohlsein nur eingeschränkt wahrnehmen und kaum feinfühlig darauf reagieren können. Gestresste Fachkräfte sind also kaum in der Lage, für Sicherheit und Wohlbefinden zu sorgen. Nur, wer sich selbst wohl fühlt und über gute Regulationsfähigkeiten verfügt, kann Co-Regulation in der gewünschten Richtung bewirken (vgl Bohnet, 2025). Pause machen, Innehalten und Atmen sind also nicht nur ein Akt der Selbstfürsorge im Kita-Alltag, sondern auch unmittelbar mit dem professionellen Handeln verknüpft.

Zur Vertiefung empfehle ich den Kita-Fachtext von Ineke Eilers: „Selbstregulation und Co-Regulation in der Kita – wie kindlicher Stress und erwachsenes Wohlbefinden zusammenhängen“.

Selbstfürsorge im Kita-Alltag: Achtsame Trinkpause

Was kannst du also tun, um im Kita-Alltag etwas mehr Selbstfürsorge zu integrieren. Dafür schlage ich dir hier eine kleine Übung vor: Genieße heute ganz bewusst ein kurze Pause mit einem warmen Getränk deiner Wahl. Nimm dir Zeit, um einen Tee, Kaffee oder Kakao vorzubereiten. Suche dir dann einen Ort, der dir angenehm ist, einen Ort, an dem du deine Trinkpause genießen möchtest. Das kann der Garten in deiner Kita sein, eine Matte während der Schlafbegleitung oder ein Stuhl in eurem Teamraum.

Halte deine Tasse mit beiden Händen. Fühle die Wärme in der Handfläche. In den Fingern.
Schnuppere an deinem Kaffee, Kakao oder Tee. Genieße die Aromen, die sich in deiner Nase entfalten.
Puste sanft und so lange du magst in die Tasse, wie um dein Getränk etwas abzukühlen.
Nimm einen Schluck. Oder zwei. So wie du es magst.
Halte inne und fühle, wie die Wärme in deinen Bauch rinnt und sich ausbreitet.
Stelle die Tasse ab und lege eine Hand auf dein Herz. Spürst du, wie es schlägt?

Folge für einen Moment dem Rhythmus deines Atems.

Vielleicht praktizierst du schon Momente der Achtsamkeit oder hast es mal gemacht. Dann ist diese Übung eine kleine Erinnerung an dich, wieder mehr Achtsamkeit in deinen Alltag zu holen und auch kurze Pausen ganz bewusst zu gestalten. Vielleicht bist du aber auch Achtsamkeits-Anfänger*in. Dann kann es dir helfen, wenn du dir eine Person deines Vertrauens suchst, die dich bei dieser kleinen Übung anleitet. Ihr beide werdet von dieser Übung profitieren.

Imaginäres Kakaotrinken mit Kindern

In meinen Seminaren möchte ich pädagogische Fachkräfte zu mehr Achtsamkeit einladen, deshalb leite ich zum Beispiel eine achtsame Trinkpause an. Wir verwenden dafür Tee, Kaffee oder die Vorstellungskraft. Unsere Vorstellungskraft kann auch im Alltag mit Kindern wunderbar zu Entspannung und Regulation beitragen.

Genieße einen Moment mit einem Kind oder gestalte einen Kreis mit einer Kindergruppe. Gerade jetzt, wo es uns die eisigen Temperaturen noch frieren lassen, ist das imaginäre Kakao trinken eine gute Regulationsübung für euch alle.

Stell dir vor, du hältst eine Tasse in deinen Händen. In dieser Tasse ist ein warmer Kakao oder eine warme Milch mit Honig.
Du willst wissen, wie der Kakao riecht und deshalb schnupperst du. Mmhh, wie das duftet. Ganz tief atmest du ein. Und noch einmal.
Dann willst du den Kakao trinken, aber er ist noch zu heiß. Lass uns mal pusten. Ganz langsam und vorsichtig pusten wir, um den Kakao abzukühlen. Und noch einmal: Langsam und vorsichtig pusten.
Jetzt schnuppern wir nochmal und atmen den Duft ein. Jetzt pusten wir nochmal ganz langsam.
Es ist so weit. Wir können einen Schluck trinken. Noch ganz vorsichtig. Ja, der Kakao ist gut. Noch ein Schluck. So lecker. Mmhhh.

Ist der Bauch jetzt wieder warm? Und die Hände?

Beobachte, wie die Kinder reagieren, während du die Übung anleitest. Greife ihre Worte auf und lade außerdem zu Kreativität ein. Ihr könnt zum Beispiel den Kakao im Stehen trinken oder laut schlürfen. Vielleicht verbrennt sich jemand die Zunge, ihr schneidet deshalb Grimassen und müsst lachen. Außerdem könnte jemandem die Tasse aus der Hand fallen und ihr hüpft zur Seite. In der Imagination ist alles möglich. Regulation wird ermöglicht durch bewusste Atmung, aber auch gemeinsames Lachen und Springen können dazu beitragen. Vor allem aber geht es darum, einen Moment des Wohlbefindens miteinander zu schaffen.